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«Wohnforschung wird an Bedeutung noch weiter zunehmen»

«Wohnforschung wird an Bedeutung noch weiter zunehmen»
Dr. Marie Glaser erforscht, wie wir wohnen. Im Fokus stehen Wohnen und nachhaltige Stadtentwicklung. Was bedeutet das und welchen Einfluss haben hier die gesellschaftlichen Entwicklungen? Die Leiterin des Forschungszentrums ETH Wohnforum – ETH CASE im Gespräch.

Wohnen, Quartier- und Stadtentwicklung sind die zentralen Forschungsthemen von ETH Wohnforum – ETH CASE (Centre for Research on Architecture, Society & the Built Environment). Was ist darunter zu verstehen?

Wir sind ein interdisziplinäres Forschungszentrum für sozial- und kulturwissenschaftliche Analysen im Bereich Wohnen, Quartier- und Stadtentwicklung. Unser Interesse gilt gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zu Entwicklungen und Wechselwirkungen im Bereich der gebauten Umwelt. Unsere Arbeit, die wir zu zwei Dritteln aus externen Mitteln finanzieren, umfasst Forschung, Lehre, Weiterbildung und Wissenstransfer. Wir organisieren unsere Forschungs- und Entwicklungsprojekte entlang aktueller Problemfelder und kombinieren die gewählten Themen und Methoden zwischen bereits etablierten und neuen zukunftsweisenden Ansätzen. Dies hat ETH Wohnforum – ETH CASE zu einem Vorreiter innerhalb der Forschung im Bereich Wohnen und urbane Entwicklung gemacht. Gegenwärtig fokussieren wir auf kulturelle Praktiken und Lebenswelten, qualitative Entwicklungen bezüglich Wohnen und Stadt sowie sozio-technische Prozesse.

Um unseren Forschungsgegenständen gerecht zu werden, arbeiten wir über disziplinäre Grenzen hinweg und entwickeln Instrumente, um die Zusammenhänge zwischen historischen, kulturellen, sozialen und sozial-ökonomischen sowie technologischen Prozessen besser zu verstehen. Dabei bewegen wir uns zwischen Grundlagen-, Entwicklungs- und Anwendungsforschung.

Wo liegt Ihr persönlicher Arbeitsfokus?

Meine gegenwärtigen Arbeitsschwerpunkte sind Hausbiografien, das Nachzeichnen von Wechselwirkungen zwischen Haus und Bewohnerschaft und Fragen der langfristigen Wertschätzung; kooperatives Wohnen, neue Wohnformen, Wohnen und Armut sowie «affordable housing».

Welche Forschungsschwerpunkte sind in Zukunft vermehrt relevant?

Die zentralen Forschungsthemen werden auf die gesellschaftlichen Entwicklungen und Herausforderungen, die sich uns heute und in Zukunft stellen, reagieren müssen. Dazu gehören Wohnen in einer alternden Gesellschaft, Schaffung und Sicherung von preisgünstigem und qualitätsvollem Wohnen für alle Bevölkerungsgruppen, Fragen der Mobilität und des Wohnens, Herausforderungen der baulichen Verdichtung und der nachhaltigen Quartierentwicklung vor dem Hintergrund des schonenden und intelligenten Umgangs mit Ressourcen.

Wo liegen die wichtigsten Synergien durch den Anschluss an das NSL?

Durch die Einbettung des ETH Wohnforum – ETH CASE ins Institut für Städtebau haben wir den richtigen Platz im Gefüge erhalten. Unsere Forschung bewegt sich auf der Skala dieses Forschungsumfelds hauptsächlich im Mikrobereich, also bei den Quartieren und Siedlungen, wenn es um Fragen des Wohnens und der nachhaltigen Entwicklung geht. Unsere Forschung ist mehrheitlich qualitativ und nimmt die Perspektiven der an den Prozessen beteiligten Akteurinnen und Akteuren auf. Das sind insbesondere die Nutzerinnen und Nutzer, die Eigentümer, die Verwaltungen, aber auch die Planenden und die Institutionen mit ihren Praktiken und Entscheidungslogiken. Wir ergänzen und komplettieren die vorhandenen Kompetenzen am NSL gewiss gut und freuen uns auf neue Impulse und die Zusammenarbeit bei zukünftigen Projekten.

Die Ethnologin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Marie Glaser arbeitet seit 2004 am Forschungszentrum ETH Wohnforum – ETH CASE. 2015 hat sie die Leitung übernommen. Foto: Dan Cermak

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