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Visionierung in der partizipativen Landschaftsentwicklung

Visionierung in der partizipativen Landschaftsentwicklung
Die mangelnde Akzeptanz von räumlichen Planungen resultiert oft aus der unzureichenden Integration relevanter lokaler Akteure, ihrer Bedürfnisse und Wünsche in Planungsprozesse. Durch die Weiterentwicklung der «Landwirtschaftlichen Planung» soll dieses Planungsinstrument des ländlichen Raumes insbesondere um einen Visionierungsprozess erweitert werden. Auf diese Weise werden Planungen auf eine gemeinsam getragene Basis der wünschenswerten Entwicklung abgestützt.

Um Planungsprozesse erfolgreich zu gestalten, so dass die Resultate akzeptiert und umgesetzt werden, ist es wesentlich, die verschiedenen Interessen und Positionen der Beteiligten sichtbar zu machen und zueinander in Bezug zu setzen. Zudem sollte auf einer gemeinsam erarbeiteten und unterstützten Idee oder Vision aufgebaut werden. Traditionelle Instrumente und Verfahren der Planung werden oftmals als reaktiv und regulatorisch wahrgenommen und werden nur begrenzt akzeptiert.

Mit dem Planungsinstrument Landwirtschaftliche Planung steht in der Schweiz ein etabliertes informelles Instrument zur Verfügung, um die unterschiedlichen Ansprüche an die Raum- und Landnutzung zu koordinieren. Dieses Instrument wird bislang nahezu ausschliesslich sektoral für landwirtschaftliche Fragestellungen eingesetzt und andere Akteursgruppen werden nur am Rande betrachtet. Zudem weist auch dieses Instrument Defizite in der Erarbeitung von Visionen auf, insbesondere kulturelle Aspekte werden bislang vernachlässigt. Aufgrund der offenen und flexiblen Struktur des Instrumentes ist es jedoch prädestiniert, die verschiedenen Stakeholder und Interessen im ländlichen Raum zusammenzubringen

Weiterentwicklung der Landwirtschaftlichen Planung

Im Forschungsprojekt «Weiterentwicklung der Landwirtschaftlichen Planung» wird das Instrument um ein Modul zur gezielten und transparenten Erarbeitung von Visionen ergänzt. Diese Visionierung zielt darauf ab, basierend auf gemeinsamen Werten und den Wünschen der lokalen Akteure konzeptionelle Zielsetzungen zu erarbeiten. Unterstützt werden die Diskussionen im Rahmen der Visionierung durch partizipative Landnutzungsmodelle um Effekte verschiedener Rahmenbedingungen als Szenarien darzustellen sowie durch generische Landschaftsvisualisierungen, welche an diese Szenarien gekoppelt werden können.

Die partizipative Erarbeitung einer Vision, welche auch kulturelle Besonderheiten und Wünsche der Beteiligten berücksichtigt, schafft eine gemeinsame Wertegrundlage. Durch diesen Prozess können strategische Entscheidungen getroffen werden, die auch langfristig durch die Beteiligten mitgetragen werden. Die so erweiterte Landwirtschaftliche Planung ist damit kein regulierendes Instrument der räumlichen Entwicklung, sondern dient dem Erkennen von Synergien und der Erarbeitung von Massnahmen, die an die vielfältigen lokalen Bedürfnisse angepasst sind.

Die weiterentwickelte Landwirtschaftliche Planung wird voraussichtlich ab Herbst 2017 in zwei Pilotprojekten angewandt.

Sven-Erik Rabe und Dr. Enrico Celio sind Dozenten und wissenschaftliche Mitarbeiter an der Professur von Prof. Dr. Adrienne Grêt-Regamey: Planning of Landscape and Urban Systems (PLUS)

Bild: Ausschnitt einer skizzenhaften Landschaftsvisualisierung eines Landnutzungsszenarios