Im EU-Horizon-Projekt ReHousIn wird analysiert, wie städtische Klimaanpassungsstrategien die Bezahlbarkeit des Wohnens beeinflussen und mit entsprechenden Marktentwicklungen verflochten sind. Auf Basis von Expert:inneninterviews zeigt die Studie, dass klimabezogene Anpassungen Markterwartungen prägen und durch Aufwertung soziale Folgen nach sich ziehen können.
Initiativen für Verdichtung, energetische Sanierungen, zusätzliche Grünflächen oder Biodiversitätsmassnahmen können ökologische Vorteile bringen, gleichzeitig aber Wohnungsungleichheiten verstärken, etwa durch steigende Mietpreise und Verdrängung. Neben Fallstudien in Amriswil und St. Gallen liegt der Forschungsschwerpunkt auf den Zürcher Quartieren Altstetten und Schwamendingen. Diese sind besonders stark von Transformationsprozessen in der Wohnungs- und Quartierentwicklung betroffen. Auf der Grundlage von Expert:inneninterviews mit Marktanalyst:innen, Projektentwickler:innen sowie mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen aus lokalen NGOs und Vertreter:innen der Stadt, analysieren wir die Treiber und sozialen Folgen dieser Entwicklungen.
Der Fall Schwamendingen: Überlandpark
Im Fall des Zürcher Quartiers Schwamendingen liegt unser Interesse auf dem neuen Überlandpark – ein kommunal initiiertes Projekt, bei dem eine Autobahn überdeckt und mit einem öffentlichen Park überbaut wurde. Der 2025 eröffnete Park wertet die Wohnqualität im Quartier deutlich auf, etwa durch Lärmminderung, bessere Luftqualität und den Zugang zu hochwertigen, biodiversen Freizeitflächen. Das städtebauliche Verbindungselement verleiht dem Quartier eine neue räumliche Orientierung, bildet aber auch den Ausgangspunkt für eine Reihe urbaner Transformationsprozesse in den umliegenden Siedlungen. Die geplanten Ersatzneubauten tragen zwar zur Verdichtung, aber auch zu steigenden Mieten und Verdrängungsdruck bei. Davon sind überdurchschnittlich häufig Haushalte mit niedrigem sozioökonomischem Status betroffen, die an den bisher benachteiligten Wohnlagen in Schwamendingen günstigen Wohnraum gefunden hatten. Im unteren Marktsegment nimmt die Bedeutung temporärer Wohnlösungen weiter zu, die Verdrängung zwar zeitlich verzögern, strukturell jedoch nicht auflösen.
In Schwamendingen ist der Anteil gemeinnütziger Wohnbauträger:innen mit 32% besonders hoch und rund um den Überlandpark noch höher. Seitens der Behörden besteht daher die Erwartung, dass negative soziale Folgen der Transformation zumindest teilweise abgefedert werden. Die Genossenschaften sind jedoch weder in der Lage, alle von Kündigungen betroffenen Mietparteien aufzunehmen, noch können sie selbst auf leicht erhöhte Mietzinse in ihren Neubauprojekten verzichten. Diese sind aber immer noch tief im Vergleich zum privaten Mietmarkt.

© ETH Zürich, Luisa Gehriger
Immobilienexpert:innen betonen, dass Klimarisiken zunehmend Markterwartungen prägen und Anpassungsstrategien und Begrünungsinitiativen als wertsteigernde Faktoren berücksichtigt werden. Grossprojekte wie der Überlandpark können eine bereits existierende Tendenz zu steigenden Immobilienpreisen und Mieten wie im Marktkontext von Zürich verstärken. Erkenntnisse aus den Interviews mit sozialen Akteur:innen des Quartiers deuten zudem darauf hin, dass die negativen Effekte eines Projekts wie dem Überlandpark über den Wohnungsmarkt hinausreichen und Wechselwirkungen mit Problemlagen in den Bereichen Bildung, Arbeit und sozialer Teilhabe entfalten.
Inspiriert vom ReHousIn-Projekt planen wir die nächste Jahrestagung des ETH Wohnforums zum Thema «GRÜN UND BEZAHLBAR? – Wohnraum zwischen Klimazielen und sozialer Nachhaltigkeit». Die Tagung wird am Mittwoch, 9. September 2026, im Auditorium Maximum der ETH Zürich stattfinden. Mehr Informationen folgen hier.
Dr. Luisa Gehriger ist Stadtforscherin und Soziologin mit besonderer Expertise in der Wohnforschung. Sie arbeitet seit April 2025 als Postdoc am ETH Wohnforum – ETH CASE.