Graue Emissionen machen bis zur Hälfte der Lebenszyklusemissionen eines Gebäudes aus, verbindliche Vorgaben aber fehlen. Welche Instrumente könnten den Umbau gegenüber Ersatzneubauten stärken? Eine Befragung von über hundert Fachpersonen liefert Antworten. Sie zeigt vor allem eines: Nicht die einfach umsetzbaren Informationsangebote versprechen die grösste Wirkung, sondern verbindliche Vorgaben.
Der Erhalt bestehender Bausubstanz ist der grösste Einzelhebel gegen graue Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich. In der Praxis dominiert dennoch der Ersatzneubau. Im Projekt Policy4Rebuild gehen wir der Frage nach, welche politischen Instrumente das ändern könnten. Dazu haben wir im Frühjahr 2026 Fachpersonen aus Verwaltung, Planung, Architektur und Immobilienwirtschaft befragt. 102 von ihnen, mehrheitlich aus dem öffentlichen Sektor und aus der Privatwirtschaft, bewerteten online 30 Politikmassnahmen nach deren Umsetzbarkeit und Wirksamkeit und stellten anschliessend ihr eigenes Massnahmenpaket zusammen.
Drei sinnbildliche Politikinstrumente
Am machbarsten ist eine Weiterbildungs- und Forschungsoffensive. Bei der Wirksamkeit landet diese jedoch auf dem 22. von 30 Rängen. Das ist kein Einzelfall: Instrumente, die auf Wissen setzen, stellen knapp einen Viertel des Katalogs, schneiden bei der Wirksamkeit aber durchweg schlecht ab.
Umgekehrt verhält es sich bei grauen Emissionsgrenzwerten in Baugesetzen. Sie gelten als wirksamster Hebel und sind zugleich das meistgewählte Instrument, obwohl ihre Umsetzbarkeit nur im Mittelfeld liegt. Dazwischen liegt die Anpassung kantonaler Förderprogramme, welches als eines der wenigen in beiden Dimensionen im oberen Drittel liegt.
Pakete statt Einzelmassnahmen
Zum Abschluss stellten die Befragten aus jenen Instrumenten, die sie zuvor selbst als umsetzbar eingestuft hatten, ihr eigenes Massnahmenpaket zusammen. Obwohl ihnen also nur machbare Optionen offenstanden, dominieren darin die verbindlichen Instrumente. Über 90% der Pakete kombinieren mindestens zwei unterschiedliche Wirkungslogiken und praktisch jedes enthält ein regulatorisches Element.
In den Textbegründungen wurde oft angemerkt, dass Zielvorgaben ohne finanziellen Ausgleich nicht funktionieren, weil ein Neubau heute wirtschaftlich attraktiver ist. Umgekehrt wirkt ein Ausgleich ohne klares Ziel beliebig. Eine Fachperson formuliert es so, dass Grenzwerte das Ziel vorgeben, nicht aber den Weg.
Was folgt daraus
Für Städte und Kantone heisst das: Sensibilisierung bleibt notwendig, ersetzt aber keine Rahmensetzung. Wirksam wird sie erst als Teil eines Pakets, das Zielvorgaben, ökonomischen Ausgleich und Verfahrenserleichterungen verbindet. Welche Kombination sich für welchen Kontext eignet, ist Gegenstand der laufenden Auswertung (siehe Zwischenbericht). Der Schlussbericht mit konkreten Politikpaketen folgt demnächst. Wer über die Publikation informiert werden möchte, kann sich hier registrieren.
Michael Wicki ist Senior Researcher in der Gruppe Raumentwicklung und Stadtpolitik (SPUR) an der ETH Zürich. Er forscht zur öffentlichen und politischen Akzeptanz raumwirksamer Politik, mit Schwerpunkt auf Verdichtung, Wohnungspolitik und der Frage, welche Instrumente politisch tragfähig sind. Policy4Rebuild wird vom Bundesamt für Energie gefördert und gemeinsam mit intep, dem Kanton Basel-Stadt und der Stadt Luzern durchgeführt.
