Prof. Freek Persyn | NEWROPE-Professur für Architektur und Urbane Transformation
Eine Box öffnen und eine ganz neue Welt entdecken
Die Dissertation Eine Box öffnen und eine ganz neue Welt entdecken: Aktionsforschung zur Beziehung zwischen Produktion und Ort in Kuklen, Bulgarien untersucht die räumliche Dynamik der globalen Fertigung und die zunehmend komplexe Beziehung zwischen Produktion und Ort. Im Mittelpunkt steht die Trakia Economic Zone (TEZ) im Süden Bulgariens, mit besonderem Fokus auf den Industriepark Kuklen. Anhand dieser Lage untersucht die Studie, wie der Fluss von Kapital, Arbeit, Wissen und Macht einen Ort verändert und wie lokale Gegebenheiten wiederum diese globalen Ströme auf einzigartige Weise prägen.
Die TEZ ist ein Paradebeispiel für globale Produktionsräume, die sich durch vielfältige räumliche Formen auszeichnen, die sowohl aus der globalen Arbeitsteilung hervorgehen als auch diese aufrechterhalten. Diese Zonen liegen am Rand von Städten, sind oft von physischen Barrieren umgeben und nur eingeschränkt zugänglich. Die Dissertation konzipiert die TEZ als Black Box – eine «geheime, verborgene, unbekannte» Einheit, die von der Komplexität der Unternehmensbeteiligungen, der Vertraulichkeit und der Privatsphäre in der Welt der vernetzten Fertigung umgeben ist. Die Dissertation versucht, Zugang zu dieser Black Box zu erhalten und sie zu öffnen, indem sie das abstrakte Konzept globaler Produktionsnetzwerke in realen, greifbaren Geschichten und Orten verankert.
Um dies zu erreichen, verfolgt die Studie einen engagierten Aktionsforschungsansatz, der Zugang zu globalen Automobilfabriken gewährt und deren fluide, miteinander verbundene und dennoch zutiefst greifbare Realitäten offenbart.
Das Aktionsforschungsprojekt arbeitete eng mit öffentlichen und unternehmerischen Akteuren innerhalb der TEZ zusammen, förderte Koalitionen, entwarf Interventionen und analysierte die daraus resultierenden Machtdynamiken, Herausforderungen und Möglichkeiten für Veränderungen. Dieser Prozess erleichterte es nicht nur, vielfältiger Daten zu sammeln, sondern ermöglichte auch eine aktive Beteiligung an der Neugestaltung globaler Produktionsräume durch den Akt der Veränderung selbst.
Die Ergebnisse dieser Aktionsforschung sind in drei empirische Kapitel gegliedert – mit Fokus auf Materialität, Menschen und Land – und werden jeweils durch die Linse von Henri Lefebvres räumlicher Triade betrachtet, die den wahrgenommenen, konzipierten und gelebten Raum umfasst. Diese Kapitel zeigen, wie das Design der TEZ tief in kapitalistischen Unternehmungen und tayloristischen Managementprinzipien verankert ist, die durch starre organisatorische Rahmenbedingungen strukturiert sind. Die gelebte Erfahrung der Zone weicht jedoch erheblich von diesem strukturierten Ideal ab und ist oft durch Spontaneität, Unordnung und unerwartete Ergebnisse gekennzeichnet.
Indem sie Licht in die sonst verborgene Welt der automatisierten Fertigung bringt, zeigt diese Dissertation, dass die Black Boxes der globalen Produktion nicht undurchdringlich sind. Sie können zugänglich gemacht, erforscht und letztlich transformiert werden. Auf dieser Erkenntnis aufbauend, diskutiert die Forschung das Potential für eine ethische und kritische Praxis, die in vernetzten Infrastrukturräumen entstehen kann, und untersucht, was solche Praktiken mit sich bringen könnten.
Autor:innen
Ina Valkanova
Doktorarbeit angenommen auf Empfehlung von
Prof. Freek Persyn (Erstbetreuer)
Prof. Christian Schmid (Zweitbetreuer)
Prof. Elke Beyer, Prof. Nina Rappaport
Projektlaufzeit
2019-2024













