Im Rahmen des EU-Horizon-Projekts ReHousIn untersucht das ETH Wohnforum den Zusammenhang zwischen Klimaanpassungsstrategien und Wohnungsungleichheiten in der Schweiz. Im Fokus stehen Massnahmen zur Verdichtung, Begrünung sowie energetische Sanierungen. Wir analysieren, wie solche Strategien zur Aufwertung von Quartieren beitragen und dadurch Mietsteigerungen sowie Verdrängungsprozesse beeinflussen können.
Zur vertieften Analyse dieser Zusammenhänge arbeiten wir u.a. mit sogenannten Vignetten – realitätsnahen Szenarien, die typische Situationen rund um Verdichtung, Klimaanpassung und Wohnungsmarkt beschreiben. Die Szenarien basieren auf empirischen Erkenntnissen aus den Studienstädten und werden durch gezielte Fragen sowie «Was-wäre-wenn»-Varianten ergänzt.
Instrumente wie Grundstückgewinnsteuern oder Mehrwertabschöpfungen bieten ein Potenzial für wohnpolitische Steuerung
Im Frühjahr 2026 haben wir einen Szenario-Workshop in St. Gallen und zwei in Zürich durchgeführt. Einer der beiden Zürcher Workshops widmete sich der Frage, wie sozialverträgliche Verdichtung konkret gestaltet werden kann und welche ökologischen und sozialen Veränderungen mit Verdichtungsprojekten einhergehen. Vertreter:innen aus Verwaltung, Forschung und Praxis diskutierten unter anderem über Instrumente zur Regulierung von Bodenwertgewinnen und zur gerechten Verteilung der durch Aufzonungen entstehenden Mehrwerte. Die Diskussion machte deutlich, dass Instrumente wie Grundstückgewinnsteuern oder Mehrwertabschöpfungen ein Potenzial für wohnpolitische Steuerung bieten.
Projektentwicklung je nach Marktlage und Subventionsmodell
In allen drei Workshops wurde jeweils diskutiert, wie sich ein konkretes Projekt und seine sozialen und ökologischen Folgen je nach Beteiligung unterschiedlicher Akteure (z.B. institutionelle Investoren, öffentliche Hand oder Genossenschaften), je nach Marktlage und je nach Subventionsmodell entwickeln könnte. Im Zentrum standen die sozialen, ökologischen und wohnbezogenen Auswirkungen: Welche Folgen ergeben sich für bestehende Bewohnerschaft? Welche Rolle spielen Mietpreisentwicklungen, soziale Durchmischung und politische Instrumente?
Vignetten vereinfachen komplexe Dynamiken
Die Vignetten erwiesen sich dabei als zentrales Instrument zur kritischen Diskussion dieser Fragen. Bereits kleine Unterschiede in Eigentumsstrukturen, Fördermechanismen oder regulatorischen Rahmenbedingungen führten zu deutlich unterschiedlichen Einschätzungen möglicher Entwicklungen. Die Vignettenmethode ermöglichte es, komplexe Dynamiken konkret und vergleichbar zu diskutieren sowie implizite Annahmen und Zielkonflikte sichtbar zu machen. Gleichzeitig entstand ein gemeinsamer Reflexionsrahmen, der Perspektiven aus Verwaltung, Wissenschaft und Praxis zusammenführte und vergleichbare Erkenntnisse über die 27 ReHousIn-Fallstudienstädte in neun europäischen Ländern hinweg ermöglichte.
Möchten Sie mehr erfahren und mitdiskutieren? Die nächste Jahrestagung des ETH Wohnforums widmet sich dem Thema: «GRÜN UND BEZAHLBAR? – Wohnraum zwischen Klimazielen und sozialer Nachhaltigkeit». Die Tagung findet am Mittwoch, 9. September 2026 im Auditorium Maximum der ETH statt. Weitere Informationen
Dr. Luisa Gehriger ist Stadtforscherin und Soziologin mit besonderer Expertise in der Wohnforschung. Sie arbeitet seit April 2025 als Postdoc am ETH CASE.