EiR PD Dr. Joris Van Wezemael | Dr. Markus Nollert

Joris Van Wezemael war Professor für Humangeographie an der Université de Fribourg und Mandatsleiter einer Immobilien-Anlagestiftung in der Pensimo-Gruppe. Seit 2019 wirkt er als Executive-in-Residence am IRL/STL der ETH Zürich.
Markus Nollert ist Gründer von urbanista.ch (bureau für raumentwicklung) und leitet seit August 2018 die Gruppe «Spatial Transformation Laboratories (STL)» am IRL. Neben eigenen Forschungsaktivitäten und Vorlesungen hat er die Aufgabe, die Weiterführung der Lehre im Fachbereich «Raumentwicklung» zu koordinieren.

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Die Spatial Transformation Laboratories (STL): Laboratorien für die Raumentwicklung

Die Herausforderungen der Raumentwicklung stellen die Grenzen zwischen Raumplanung, Städtebau, Gesellschafts- und Computerwissenschaften in Frage. Neue Wertschöpfungsmodelle, Civic-Tech und Citizen-Science Ansätze rütteln an den Mauern des Elfenbeinturms. In der Praxis gilt zukünftig das Freiraumprimat statt der Parzellenfetisch. Planung darf künftig nicht mehr an Plänen gemessen werden, sondern an Wirkung. Hierfür braucht es bessere Datenbasen und neue Vorgehensweisen sowie eine dynamische Überwachung und Justierung der Planungsergebnisse.
Hochschule, Politik und Entwicklungsindustrie treten zumindest medial mit dem gemeinsamen Ziel der Siedlungsentwicklung nach innen auf. Was aber heisst das konkret, für die Praxis, vor allem aber auch für die Nachwuchsförderung und Forschung?

Raumentwicklung ist keine Disziplin, sondern Brennpunkt vieler Fachrichtungen – innerhalb der ETH Zürich und in der politischen, zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Praxis. Die akademische Raumplanung hat in der Vergangenheit schon betont, ihr Laboratorium sei die Wirklichkeit. Wir wollen diese programmatische Haltung nun konsequent einlösen.

  • Elementarer Bestandteil jedes Laboratoriums ist es, begründete Thesen experimentell zu testen. Gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik testen wir neue Konzepte temporär im Siedlungsraum, überwachen deren Leistung, beurteilen deren Implementierungsrisiken.
  • Innovation geschieht immer häufiger durch die neuartige Verbindung von Bestehendem. Strategische Partnerschaften zu anderen Disziplinen innerhalb der Hochschule, aber auch zu grass-roots Bewegungen und etablierten Tech-Konzernen zeichnen die STL als Inkubator von Innovationen aus.
  • In der Lehre privilegieren wir Entwurf, Interaktion, Reflexion und das Experiment. Entsprechende Lehrformate dienen nicht zuletzt der Vernetzung von Studierenden im NSL Bereich untereinander, aber auch der Rekombination von Akteuren, Technologien und Praktiken aus Wirtschaft und Politik.

Das Ziel des Laboratoriums ist der Erkenntnisgewinn: produktives Scheitern, belastbare Erfahrungen, Prototypen und innovative Ansätze sind für uns Mittel und Ziel zukunftsweisender Forschung. Die STL wollen gemeinsam mit Praxis und Wissenschaft einen Meilenstein in der Lernkurve der Raumentwicklung setzen.