Bild 2 Studentenprojekt von Angelos Komninos und Argyro Theodoropoulous: «I Explorer»

Prof. Christophe Girot | Landschaftsarchitektur

Explorative Data-Mapping. Experimentelle Lehrinstrumente

Welche Methoden sind notwendig, um innerhalb des Entwurfprozesses aus der Fülle der vorhandenen Datensätze relevante Informationen zu identifizieren? Wie lassen sich diese Daten visualisieren, um anschliessend aussagekräftige Entscheidungen für den Entwurf ableiten zu können? Dieses Thema erforschen wir experimentell innerhalb des MAS LA Moduls: «Programming Landscapes».

Während klassischerweise statistische Darstellungen zur Hauptaufgabe haben, komplexe Ideen klar, genau und effizient zu kommunizieren, befinden wir uns aktuell in einer Phase der fast uneingeschränkten Zugriffsmöglichkeit auf Daten, die als entwerferisch relevant betrachtet werden können. Durch den einfachen technischen Zugang durch z.B. den Einsatz von Quadrocoptern (ferngesteuerte Luftfahrzeuge) in Kombination mit Sensoren können die unterschiedlichsten Daten erfasst werden, die über ortsspezifische Bedingungen Echtzeitinformationen liefern.

Daten, die besonders in der Landschaftsarchitektur als Ergänzung zur klassischen GIS Information «datascapes» erzeugen, die auf unterschiedlichen Ebenen als Entwurfswerkzeug eingesetzt werden können. Die Erfahrungen mit unseren Studierenden zeigen jedoch, dass die Datensätze oftmals nicht vollständig verstanden werden und daher die falschen Parameter den Entwurf beeinflussen. Die Entwürfe werden schnell unendlich komplex und nicht mehr kontrollierbar.

Seit drei Jahren befassen wir uns innerhalb des MAS LA Programms damit, neue Einsatzgebiete zu erforschen, welche die Spielräume der Programmierung in Bezug zur Darstellung von realen Daten (Sensordaten) als Entwurfswerkzeug ausloten. Unsere bisherigen Erfahrungen basieren auf der Verwendung von Processing, einer Open Source-Programmiersprache mit direktem visuellen Output. Hauptziel des Kurses ist es, einen kreativen Umgang mit komplexen Zusammenhängen zu erlernen. Am Anfang steht das elementare Verstehen der Daten, daran anschliessend wird nach neuen Strategien geforscht, diese werden visualisiert, um entwurfsrelevante Entscheidungen daraus ableiten zu können.

Betrachtet man die allgemein verwendeten Softwarepakete zur Datenvisualisierung, geht oftmals der Prozess der Reflexion vergessen. Die visuelle Repräsentation, sei es Modell oder Zeichnung, ist oft einer räumlichen Gegebenheit oder einer Entwurfslösung sehr ähnlich und läuft Gefahr mit dieser verwechselt zu werden. Unsere Erfahrung zeigt, dass «Big Data Visualisierung» in der Landschaftsarchitektur neben dem Datenverständnis ein gewisses Grundverständnis über die Programmierung erfordert, um eigenständig in der Lage zu sein die Datenverwendung zu kontrollieren. Die schnelle technische Entwicklung ermöglicht momentan eine fast uneingeschränkte Verwendung von beliebig komplexen Datensätzen; selbst erfasste oder solche aus Open-source-Quellen. Dies erfordert wiederum auf Seiten der Hochschulen eine methodische und didaktische Weiterentwicklung der Entwurfswerkzeuge.

Bild 2 Studentenprojekt von Angelos Komninos und Argyro Theodoropoulous: «I Explorer»
Bild 2 Studentenprojekt von Angelos Komninos und Argyro Theodoropoulous: «I Explorer»
Girot: Explorative Data-Mapping. Experimentelle Lehrinstrumente
Bild 1 Studentenprojekt von Ana Krstulovic und Effrosyni Laskari, «Natural Elements: Extraction- Interpretation»
Kontakt

Pia Fricker und Georg Munkel

Modul

«Programming Landscapes» innerhalb des Master of Advanced Studies Program in Landscape Architecture (MAS LA) der Professur Girot.

Allgemeine Bildunterschrift

In einer das Modul abschliessenden Arbeit schreiben unsere Studierenden ein Programm, das eine Karte des ihnen aus vorherigen Modulen vertrauten Entwurfsgebiets zeichnet. Dabei verfolgen die Programmierteams die Absicht, die für ihren Entwurf entscheidenden Aspekte des Ortes herauszuarbeiten. Diese Aspekte werden in möglichst kleine Einflussgrössen und somit in präzise qualifizierbare Parameter getrennt. Dies sind beispielsweise die Geländehöhe, der Abstand zu Flüssen, die Sichtbarkeit anderer definierter Orte oder die Neigung des Geländes. Diese Werte sind für jeden Ort auf der Karte ermittelbar und werden in Zeichenstil und -methode übersetzt. Dabei entstehen Zeichnungen, die das Zusammenspiel der untersuchten Parameter für das gesamte Planungsgebiet widerspiegeln.

Bild 1

Das Programm besteht aus drei Hauptakteuren: die Berge, das Tal und der Fluss. Diese Akteure wurden mit einer eigenen visuellen Sprache programmiert. Bei der Darstellung der Berge wurde die Rotation der Linien in Bezug zur realen Höhe reguliert. Das Tal und dessen Grenzen wurde durch einen Punktrasteralgorithmus bestimmt. Bei dieser Arbeit setzten die Studierenden den Fokus auf das Zusammenspiel von graphischen Elementen wie Text, Linien, Flächen. Das Ergebnis des Programms ist eine animierte Visualisierung und gibt visuelle Rückmeldung auf die topographischen Eingriffe der Entwerfenden.

Bild 2

Das Programm visualisiert eine «Sichtkarte» entlang eines neu entworfenen Weges. Zentrales Thema des Programms ist es, wie Sichtbezüge entsprechend einer individuell festgelegten Wichtigkeit dargestellt werden können. Diese Präsentationstechnik dient den Studierenden dazu innerhalb des Entwurfsprozesses Entscheidungen zu überprüfen und die Parameter anzupassen.